Von Recht und Ordnung, von Status und Wohlfahrt

,In der Demokratie herrscht die Mehrheit. Das heißt, daß das, was die meisten wünschen, für alle gilt, es heißt, daß alle machen müssen, was nur die meisten wünschen. Auch wenn diese Mehrheit aus dem Volke hervorgeht, bleibt dieser Umstand doch totalitär. Die Demokraten reklamieren für sich, daß dies besser sei, als wenn jeder mache, was er will, was sie als Anarchie schlechtreden, wie übrigens die personalen Diktatoren auch. Sie vergessen, daß jeder sich selbst gehört, sie übersehen in ihrem völkischen oder nationalen Sozialismus den Einzelnen wie das Eigentum. In einer Eigentumsgesellschaft kann jeder machen, was er will, hat aber seine Willkür auf sein Eigenes zu beschränken, während die Demokraten ihre Meinung allen mit Gewalt auf den Hals hetzen. Sie achten nicht den Einzelnen noch Eigentum: Was die meisten wünschen heißen sie Recht.

Der Markt, der ein freier ist, erlaubt es den Einzelnen zu kooperieren, sie verbessern durch handeln, wechseln und informieren ihre Situation und die ihrer Kooperationspartner. Jeder Einzelne wird nur dann über die Grenzen seines Selbst und seines Eigentums tätig, wenn er einen Vorteil darin sieht – ebenso wie sein Kooperationspartner. Derart frei vermögen sie sich beide zu verbessern. Dies geschieht in unzähligen Kooperationen auf vielfältigste Weise. Diese Kooperationen haben ihre eigene Ordnung: den Markt. Alles wird gut.

Durchtriebene oder falsch belehrte, dreiste oder machthungrige Menschen aber suchen nun ihren Vorteil nicht in freier Kooperation, die zum beiderseitigen Vorteil ist, sondern erlauben sich – oft mit den schönsten Worten – einen einseitigen Vorteil mit Gewalt. Sie rauben, stehlen und betrügen, sie mißachten die Rechte des Einzelnen und die Ordnung. Selbst Ihre Hilfe bestreiten sie aus Hehlerware und gestohlenem Geld. Verdient nun eine Demokratie, in der all dies sogar Gesetz ist, rechtmäßig, frei und in Ordnung genannt zu werden? Sollten die, die eine Regierung suchen, Hehler und Gewalttäter zu Regierenden ersuchen? Oder bestimmen sie nicht vielmehr falsche Rhetoriker, die es verstehen, in ihrem Auftrag zu stehlen, zu nötigen, zu rauben und sogar zu töten? Recht und Ordnung verdunkeln sich in der Demokratie, vorteilhafte Kooperationen werden schwieriger und seltener, der Fortschritt findet seinen Weg nicht mehr.

Die Regierungen schaffen nun ihre Ordnung, die man allmählich durch Gewohnheit und Belehrung für die einzig mögliche halten mag. Man fürchtet jede Veränderung als Schritt in die Unordnung und hält die Fehler der momentanen Ordnung für bedauerlich aber unabänderlich. Die ganze Gesellschaft ist unfrei geworden.

Moderne westliche Staaten, die ja Demokratien sind, suchten die Herrschaft der dennoch bestellten Regierungen dadurch einzugrenzen, daß sie sich eine Verfassung gaben. Man trachtete das Unheil des Diktates der Mehrheit dadurch zu beschränken, daß diese nicht über alles abstimmen darf und Privaträume verbleiben. Man suchte das Gewaltmonopol zu entschärfen durch eine Gewaltenteilung. Tatsächlich vereint heute nicht ein Herrscher alle Gewalten in einer Person auf sich. Allerdings war dies auch noch nie so: Kein Mensch hat eine solche Gewalt in seinem sterblichen Körper. Es bedurfte erst juristischer Körperschaften, an die die Mehrheit glauben sollte und glaubt, um als eine Gewalt in drei Personen zu erscheinen. Diese Säkularisierung der christlichen Dreieinigkeitslehre begründet nicht umsonst das moderne westliche Staatswesen. Und die gläubige Mehrheit kann endlich ihre Gewalttaten gegen andere Recht und Gesetz heißen. Privaträume gibt es nicht mehr: Alles ist für alle gesetzmäßig geregelt und geordnet.

Und doch ist da dieses mulmige Gefühl, daß etwas nicht in Ordnung ist: daß die Willkür der Massen Unrecht schafft und der Einzelne verloren ist. Die Meinung der Mehrheit herrscht und der Einzelne unterwirft sich oder zieht sich immer weiter zurück. Es ist nicht einmal sicher, ob die herrschende Meinung überhaupt noch die der meisten ist: Die öffentliche Meinung wird manipuliert, die Wahlbeteiligungen sinken. Es ist auch eine zweifelhafte Wahl, über das Portemonnaie meines Nachbarn mitbestimmen zu dürfen, über sein Tun und Lassen richten zu lassen, aber den eigenen Willen über mein Selbst und sein Wirken und Schaffen zu verlieren. Ich wähle nicht mehr rechtmäßig und frei meine Kooperationspartner aus, ich bestimme nicht einmal mehr über mich Selbst und mein Eigentum, sondern horche permanent nach der Stimme der mächtigen Mehrheiten, ob diese mich und mein Tun dulden mögen. Der Mensch verlernt den aufrechten Gang.

Um von der Horizontalen wieder in die Vertikale zu kommen bedarf es einer Neubesinnung über die Ordnung der Dinge und des Seins. Ein Erkennen der Freiheit des Menschen und der Voraussetzungen für sein friedliches und kooperatives Miteinander. Nicht die gleichmacherische kriecherische Horizontale ist menschengerecht. Kein Mensch gleicht dem anderen. Gerade deshalb kooperieren Menschen seit allen Zeiten untereinander und wenden den Blick nach oben. Sie wähnen die wahre Herrschaft im Himmel und handeln auf Erden. Die Versprecher des Himmels auf Erden haben noch immer die Hölle gebracht. Die den Allgemeinnutz einfordern, verhökern das Eigenwohl. Eigenwohl und Allgemeinwohl aber gehen Hand in Hand. Wir brauchen Freiheit dazu. Nur der Freie handelt zum Eigenwohl, der Gezwungene wird gerade darum gezwungen, einen Nachteil in Kauf zu nehmen. Hier wie dort summieren sich die unzähligen Einzelakte zu einer Gesamtsituation: Mit Zwang zu einer Verschlechterung und Verschiebung von einem zum anderen. In Freiheit zu einer Verbesserung für beide. Deshalb schreiten freiere Gesellschaften fort und zwanghaftere retardieren. Fortschreitender Sozialismus aber, der dem Einzelnen die Freiheit raubt, bestiehlt letzten Endes Alle, in deren Namen er aufzutreten vorgibt. Demokratie aber ist ein solcher Sozialismus und ein gleichsames Übel. Langsamer als der Kommunismus führt er ins Unheil, aber es bleibt dieselbe Richtung und es ist von gleicher Art.

Erst wenn der Einzelne sich selbst wieder erkennt, den Blick abwendet von den Anmaßungen und Zumutungen des Ganzen oder auch nur denen einer Mehrheit, sondern für sich und seine Kooperationspartner schafft, können wieder Fortschritt und Verbesserungen entstehen. Wer glaubt, daß einseitige Vorteilsnahme in Summe Gutes bewirken kann, irrt. Daran ändert auch kein Staat etwas, den eine Mehrheit dazu beauftragt. Es kommt tatsächlich auf jeden Einzelnen an, auf seine Freiheit und seinen Vorteil. Hier summieren sich Vorteil und Gewinn zu allgemeinem Fortschritt und Wohlfahrt. Das kann man haben. Man muß es nur wissen. Und tun.

Erstveröffentlichung auf liberty.li: 15.10.2007

Freiheit oder Sozialismus

Nirgendswo stellt sich diese Frage deutlicher als in Bildungsfragen:

Fundamental: Schule, Sozialisation, Streetschooling, Homeschooling und Unschooling

30.03.2008, Stefan Sedlaczek

So wie sich manche Väter über die PS-stärksten Autos oder die besten Fußballer unterhalten, so unterhalten sich ihre Söhne und Töchter zunehmend über eine Sache: Wo lernst Du denn?

Sich selber bilden (André und Bertrand Stern) scheint sich zu verlieren -, aber die Frage, wem man es erlaubt (und ob man sich es selbst erlaubt), einen zu bilden, ist aktueller denn je. Dabei hat der Staat ausgesorgt, weil er versagt hat. Einen halbwegs freien Bildungsmarkt gibt es nur für Erwachsene und so ist die Frage „Wo lernst Du denn?“ nicht nur eine Frage nicht vorhandener Bildungsmarken, sondern eine Frage der Altersdiskriminierung: von Staats wegen haben sich Heranwachsende eben an staatlichen Schulen zu orientieren! Nicht nur das: Sie haben sich dort auch aufzuhalten. So jedenfalls der gemeine Befehl, der Schulpflicht heißt und mittels Schulzwang durchgesetzt wird. Höchstrichterlich abgesegnet von den Richtern, die die Parteien zum Rechtsprechen bestimmt haben. Befehlswirtschaft par excellance. Und Staatsversagen aufgrund dessen. Leider. Es leiden die, denen man Gutes zu tun, bloß vorgibt. Die betrogene Generation, die Roland Baader schildert, ist die zwangsbeschulte Generation.

Was also leistet der Status Quo an Sozialisation?

Keine Frage: Schule verursacht Sozialisation. Doch sehr häufig eine negative, die nach “unten” zieht. Das kann auch gar nicht anders sein, da ein “oben” gar nicht mehr akzeptiert wird. Erziehung an vielen Schulen läuft doch auf pauschale Verurteilung von Eltern und Autoritäten hinaus. So geht das seit Jahrzehnten. Und so bleibt dann nur noch die gleichaltrige Peer-Group als der Sumpf, in dem man selber steckt – und vielleicht gar nicht stecken möchte! Der ist ja auch unnatürlich! Die Kinder werden ja aus dem Leben herausgenommen. Und das unter Gewaltandrohung. Was ist das für eine “Sozialisation” in der der Staat, der vorgibt, „wir alle zu sein“, Gewalt anwenden muß? Nicht Autorität, sondern Zwangsandrohungen und tätliche Gewalt! Es sollen doch bitte die, die behaupten, Schule könne einen positiven Beitrag zu Sozialisation beitragen, erst einmal den Beweis führen,

1) daß das, was sie als Sozialisation verstehen überhaupt gut ist, und
2) daß dieses Gute durch Zwangsbeschulung überhaupt erreicht werden kann, und
3) daß dies die einzige Möglichkeit sei, dies zu erreichen, weshalb die anderen Möglichkeiten ausgeschlossen bleiben müssen

Wenn mir jemand diesen Beweis bringt – und dies nicht nur einfach behauptet und daherplappert -, dann schauen wir einmal weiter. Auf dem Weg dahin, da bin ich mir sicher, ist er längst argumentativ untergegangen. Denn so ist es ja nicht.

Für freies Lernen spricht dann, daß es folgende Vorteile bietet

- natürlich in familiärer und sozialer Umgebung
- freiwillig und interessengeleitet
- im gewohnten und vertrauten Umfeld als Basis für kontinuierliche Horizonterweiterung
- im Angesicht natürlicher und lebensbewährter Autoritäten und Vorbilder
- umfassend, nicht nur auf Angebote schulischer Methoden und fremdbestimmte Lehrer beschränkt
- weltweites Lernen, nicht auf staatliches und nationales Gusto beschränkt
- gewaltlos und friedlich ohne staatlichen Zwang
- die Freiheit freier Wahl

Sehr schnell wird sich zeigen, daß viele unter “Sozialisation” kein organisches Einordnen im Rahmen eines beidseitig-gewinnbringenden Interessensaustausches (Praxeologie, Markt) verstehen, sondern ein Unterordnen unter gewalttätige Autoritäten (staatliches Gewaltmonopol, Schulzwang, Peer-Group-Führer, psychologisch-gruppendynamische Warenplazierungen), welches gemeinhin ja sogar als demokratisch legitimiert angesehen wird. Da zeigt dann die vermeintlich so tolle Sozialisation ihre wahre Fratze. Und nein: man muß sich nicht unterordnen, das gehört eben nicht dazu. Man kann und darf seine Vorbilder und Autoritäten selber finden.

Ich bejahe, daß es Unterschiede gibt und sinnvolle Nachfolge. Eine erzwungene Autorität ist aber keine, sie ist bloß Gewalt – und sei es die durch die demokratischen Mehrheiten gekaperte Staatsgewalt.

Zur Fundamentalismus-Debatte:

Hier stellt sich ganz allgemein die Frage, was tun, wenn Freiheit unheilvoll (für andere) gebraucht wird. An die Adresse von Politikern gewendet, bin ich allerdings schnell fertig, denn ich habe nicht die Fundamentalisten ins Land gelassen und das Versagen von staatlichem Schutz möchte ich nicht auch noch dadurch ausbaden, daß nun meine Freiheit weiter beschränkt wird: Wenn die ein Problem mit Fundamentalisten haben, dann sollen die das lösen und eben zur Not ein Gesetz erlassen, daß Fundamentalisten Homeschooling und Privatschulen verbietet, aber doch nicht gleich allen! Man verbietet ja auch nicht allen das Autofahren und beschränkt das infolge auf staatlich-bedienstete Chauffeure, sondern führt eine Punktekartei und zieht so wiederholt grob fahrlässige Verkehrssünder aus dem Verkehr – und hier geht es immerhin um Leben und Tod, während Bildung ja sowieso stattfindet.

Der Begriff Fundamentalismus ist als Problembeschreibung ohnehin ungeeignet. Solange sich Menschen ans Recht halten (sich im wesentlichen also auf ihr Eigentum beschränken und andere in Ruhe lassen und nur friedlich kooperieren) gibt es kein grundsätzliches Problem: hier gilt es schlichtweg tolerant zu sein und nicht gleich nach der Polizei zu rufen, wenn einem etwas nicht gefällt. In der Eltern-Kind-Beziehung stellt sich natürlich die Frage, ob die Kinder vielleicht Eigentum ihrer Eltern sind. Das verneine ich. Kinder sind ihren Eltern ganz natürlich zugehörig – und umgekehrt. Die Eltern sind auch Vormünder im Sinne einer kindgerecht zu leistenden Antizipation. Sie sind auch Beschützer der Kinder, auch und oft eben Beschützer der Freiheit ihrer Kinder. Eltern sind nicht mehr frei, sondern an das Wohl ihrer Kinder gebunden. Und Kinder sind genauso Menschen! Das Hauptproblem, welches wir im modernen Staatsverständnis haben, ist, daß wir eine Hierarchie vermuten, als wenn der “Staat” gottgleicher Vater und Mutter der Erwachsenen wäre. Die Erwachsenen sind aber weder unmündig und der “Staat” ist auch nicht klüger und mächtiger als die Erwachsenen, denn der “Staat” sind auch nur andere Leute, bloß Erwachsene, die nichts schaffen können, was nicht von seinen Untertanen kommt. Um es deutlich zu sagen: Ein “Staat” schafft niemals Mehrwert, tatsächlich schützt er nicht einmal die Untertanen, sondern besteuert und gängelt diese, greift diese also permanent und gesetzmäßig an. Und nicht zuletzt: Staaten verschleißen und töten ihre Bevölkerung in Kriegen, statt sie vor Kriegen zu schützen. Hier liegt ein fundamentales Problem, welches den Staat nicht einmal befähigt – obwohl das eine Idee sein mag – Kinder vor unheilvollen Eltern zu beschützen. Im Gegenteil richten die Leute vom Staat noch unnötiges Unheil in problematischen und unproblematischen Familien an. Statistisch gesehen beträgt das Staatsversagen ein vielfaches von Elternversagen. Eltern sind also nicht durch Staat zu substituieren; dies ist theoretisch und praktisch klar belegbar. Mithin kann der Staat auch nicht vor “Fundamentalismus” schützen, zumindest nicht, ohne woanders verheerend zu wirken – und dafür ist der Schulzwang probates Anschauungsmaterial.

Denn durch das zwangsbewehrte staatliche Monopol auf die Heranwachsendenbildung, welches zeitlich noch weiter ausgeweitet zu werden getrachtet wird, wird schon jetzt ungeheuer viel Gutes und Besseres verhindert, vergleichbar dem staatlich monopolisiertem Automobilbau in der DDR. Es werden tatsächlich in Freiheit keine schlechten Autos produziert, selbst die einfachsten übertreffen das DDR-Einheitsmodell des staatlichen Monopols. So wird es auch bei freier Bildung sein: Unfälle wird es nach wie vor geben (die der Staat auch nicht verhindert, sondern sogar produziert (!), da er auf unwahrer Basis arbeitet), aber das grundsätzliche, ja selbst das minimale Niveau wird steigen: die berühmte Schere, die auseinandergeht, geht nach oben auf – und zwar beide Klingen (!), wenn auch unterschiedlich stark. Es wird also weniger Probleme (auch weniger “fundamentalistische”) geben und mehr und bessere Bildung für jeden.

Wie man nun verbleibenden Fundamentalisten und den dadurch bedrohten Kindern gerecht wird? Das ist eine Frage, die immer noch im Raum steht – und die ich an die Protagonisten staatlicher Eingriffe zurückgebe: wie verbessert ihr denn die Lage solcher Kinder? In dem ihr ihnen die natürlichen Eltern wegnehmt? In dem er sie gewaltsam in eure Schulen zwingt, durch und in staatliche Indoktrination? Wer trägt die Kosten für Eure Maßnahmen? Wer die Konsequenzen, wenn alles dadurch noch schlimmer wird? Die Leute, die staatliche Maßnahmen anordnen, jedenfalls nicht – und schon deshalb sind sie dazu nicht berufen. Bestmögliche Antizipation setzt schon im normalen Leben Verantwortung und Freiheit voraus, bei Eltern kommt regelmäßig noch die Liebe dazu. Sie sind nun einmal die natürlich Berufenen: wenn sie versagen, hilft nichts, sondern es kann nur noch um Schadensbegrenzung gehen, vielleicht durch die näheren Verwandten, die Sippe, die aber allesamt auch in ihrer kulturellen Tradition stehen. Und so ist der Fundamentalismus-Vorwurf auch der Vorwurf von Überheblichen an eine andere Kultur und als solcher grundsätzlich zurückzuweisen. Kinder haben nicht das Recht in der “überlegenen” deutschen oder westlichen Kultur aufzuwachsen, sie haben auch nicht die Pflicht, sich zu assimilieren. Sowenig wie die Staatler das Recht haben, den Bürgern Nachbarn aufs Auge zu drücken, die diese nie frei wählen würden. Einmal mehr also ist die falsche Vorstellung staatlicher Rechtfertigung Grund eines Übels, daß – wie soll es anders sein – am Ende wieder seine Untertanen, die sich als Bürger wähnen, aber Bürgen sind, die Fehler der Regierenden ausbaden dürfen.

Wir sollten also den Regierenden nicht auch noch erlauben, auf ihre untaugliche Art das “Fundamentalismus-Problem” anzugehen. Ganz grundsätzlich müssen wir akzeptieren, daß die Welt nicht vollkommen und nicht heil ist. Und wir dürfen nicht glauben – und es gibt auch keinen empirischen Beleg dafür -, daß wir das mit Gewalt ändern können. Auch nicht mittels der Staatsgewalt. Es bedarf kluger und geeigneter Hilfe, um Verbesserungen zu erreichen und Schäden zu vermeiden. Die besten und wichtigsten Voraussetzungen dafür sind Verantwortungsübernahme und Freiheit. Und so darf mit Recht angenommen werde, daß Bildungsfreiheit befähigt und der richtige Weg ist, so daß auch hier weniger Probleme auftauchen und mehr gelöst werden. Der Markt ist schon immer ein hervorragender Problemlöser gewesen, Gewalt immer schon ein Problemauslöser.

Von Eltern wird heute verlangt, daß sie ohne Schläge erziehen. Die, die diese Forderung erheben und per Gesetz gewaltsam durchzusetzen trachten, mögen sich bitte an die eigene Nase fassen: auch ihnen stünde ein Gewaltverzicht besser an als der Schulzwang. Dies wäre besser für die Kinder, die Eltern, die Familien und die Gesellschaft, die ja durch diese erst gebildet wird. Dazu gehört auch die Wirklichkeit von Kultur, die als “Gestern im Heute” tragfähig ist, und mit zum Handeln überhaupt erst befähigt. Auch zum Spontanen. Familie aber ist mehr als Kultur, sie ist die natürliche Keimzelle des Einzelnen und damit auch des Neuen. Der Weg führt über die Vertrautheit zum Neuen als ein dauernder Fortschritt. Übertriebener Fundamentalismus ist Reaktion auf unnatürlich verfrühte Entfremdung und künstliche Verfremdung. Bei einem Leben aus und in den natürlichen Grundlagen -auch des Lernens -, bleiben solche Reaktionen aus. Die zu frühe und nicht kindgerechte fremdnützige Fremdbetreuung, staatliche Eingriffe und die weitere zeitliche Ausdehnung von zwangweiser Freiheitsberaubung durch Beschulung (die ja einseitig sein muß und unbestreitbar örtlich beschränkt ist) führen genau in die falsche Richtung und werden deshalb auch mit politischer Gewalt durchgesetzt.

Status Quo und Aussicht

Wirtschaft und Medien sind in einem staatlichen Monopolbetrieb gefangen, wie ihn die modernen Nationalstaaten darstellen. Sie sind da nur Handlanger und wähnen sich allenfalls als billige Nutznießer. Aber auch hier werden durch die falsche Fahrtrichtung unnötige Probleme geschaffen und viele Chancen vertan. Welchen Wert hat wirtschaftliche Freiheit ohne Bildungsfreiheit? Wer vom Staat jahrein jahraus gebildet und geprägt wird, hat es sehr viel schwerer, geistig frei zu bleiben (physisch ist er es durch den Schulanwesenheitszwang nicht!) und in den Kategorien freien und erfolgreichen nutz- und gewinnbringenden Wirtschaftens zu denken und zu handeln und fortzuschreiten. (Der homo oeconomicus der praxeologischen Schule der österreichischen Ökonomie ist nicht der homo calculator der staatlich-neoliberalen Leuteschinder und kapitalistischen Monetaristen!)

Die herrschende Klasse in Politik, Wirtschaft und Medien mag es bequemer und interessant finden, Untertanen zu prägen, die machen, was man ihnen sagt. Aber genau das ist der Beton, der nur scheinbar zementiert, der allmählich über- oder untersauert, weil Eigenständigkeit, persönliche Verantwortungsbereitschaft und eben die alles entscheidende Freiheit fehlt. Und zu mehr Bildungsfreiheit gehört Wahlfreiheit, Freiheit zu wählen zwischen schulischer und nichtschulischer Bildung, zwischen verschiedensten Bildungsanbietern weltweit, ganz selbstverständlich auch das im Ausland bewährte Home- und Unschooling. Das gewaltsam und zwangsbewehrte staatlich verweste (im doppelten Wortsinn, leider – aber so ist es halt ) und monopolisierte Bildungssystem Deutschland hat dieses grundsätzliche Problem: es verschleißt gute Lehrer, teure Verwaltungskräfte und viel zu viele Kinder. Es kostet Eltern, Kinder und auch die Gesellschaft viel Geld und Zeit und liefert nicht einmal mittelmäßige Ergebnisse. Und das liegt schlichtweg nicht an den Akteuren dieses Systems, sondern daran, daß dort, wo es nur ein System gibt, wo Monopole staatlich sanktioniert sind, immer und ausnahmslose Problem der Fehlallokation, mangelnder Effizienz und nachlassender Leistung bestehen. Selbst das nackte Verstehen leidet. Auch mit den schönsten Papiergesetzen und auch nicht via Staat kann man Naturgesetze und praxeologische Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzen. Solche Gesetze werden nur überwunden, in dem man sie berücksichtigt und nutzt. Die Schwerkraft konnte überwunden werden, als man lernte, die Gesetze der Aerodynamik zu nutzen. Und so können auch wir lernen, menschengerecht und nicht ideologisch-gewaltsam, Fortschritte zu erreichen und Erkenntnisse zu erlangen. Wo das nicht gelingt, ja nicht einmal versucht werden darf, dreht man sich immer weiter im Kreis, der zudem immer enger zu werden droht, bis am Ende nichts mehr geht.

Aus diesem fatalen Zustand können wir uns nur befreien, wenn wir aus den gleichförmigen Bewegungen ausbrechen, der eine in die eine, der andere in eine andere Richtung, selbst für sich verantwortlich und mitgehend seine darob befragten und mitentscheidenden Kinder. Ohne einen Wettbewerb an Ideen, ohne eine Wahl verschiedenster Möglichkeiten geht das nicht. Hierin liegt die Chance von Bildungsfreiheit, ohne die – früher oder später – alles verrotten muß. Zentralplanwirtschaft hat noch nie irgendwo auch nur halbwegs dauerhaft funktioniert und dies ist auch in Sachen Bildung nicht anders. Noch bekämpfen die Protagonisten des monopolisierten Bildungssystems die Ausbrecher in eine bessere Freiheit. Aber auch die Zukunft der unterdrückten Kinder dieser Protagonisten des Unrechts und Zwangs liegt in einer kommenden Bildungsfreiheit. Schon bald werden die Streiter für den Status Quo um so wilder werden, wie sie auf verlorenem Posten stehen. Und dann werden sie umkehren, weil sie ihre Kinder lieben.

Schon bald werden die noch verfolgten Opfer willkürlicher Zwangsbeschulung und staatlicher Zwangsmaßnahmen das bestehende System ausgestanden haben und den Weg frei gemacht haben für mehr Bildungsfreiheit, für mehr Chancen, bessere Qualität und eine menschlichere Zukunft. So erstaunlich das klingt, angesichts noch nie in diesem Umfang dagewesener Paternalisierung und Bevormundung, so ist doch die Freiheit so wesentlich für den Menschen und sein Zusammenleben, als daß sie nicht völlig verdrängt werden kann. Kein noch so raffiniertes Werk der Unterdrückung vermag ihr auf Dauer zu widerstehen. Ohne die Freiheit kann der Mensch nicht Mensch sein. Er wurde in Freiheit geschaffen und zur Freiheit berufen, die Freiheit ist so wesentlich für die Existenz des Menschen, daß selbst die menschliche Wirklichkeit von Verfehlung und Sünde in Kauf genommen wurde. Freiheit ist die große Bestimmung des Menschen, ohne die er nicht sein kann. Die Freiheit, sich zu bilden, ist daher grundlegend. Konstruktivistische Zivilisationen haben ebensowenig Bestand wie konstruktivistische Bildungspläne. Bildungsfreiheit ist daher wesentlich für die Konstitution von Zivilisation. Es ist kein Zufall, sondern hängt genau damit zusammen, daß die fehlende Bildungsfreiheit unsere Zivilisation zurückgeworfen hat und noch zurückwirft. Das kriegerische und mörderische staatssozialistische 20. Jahrhundert war das Jahrhundert der Generalbeschulung der Jugend. So geht das nicht weiter. Das 21. Jahrhundert wird sich öffnen und die Menschen werden Bildungsfreiheit schaffen, zulassen, genießen und davon vielfältig profitieren.