Freiheit oder Sozialismus

Nirgendswo stellt sich diese Frage deutlicher als in Bildungsfragen:

Fundamental: Schule, Sozialisation, Streetschooling, Homeschooling und Unschooling

30.03.2008, Stefan Sedlaczek

So wie sich manche Väter über die PS-stärksten Autos oder die besten Fußballer unterhalten, so unterhalten sich ihre Söhne und Töchter zunehmend über eine Sache: Wo lernst Du denn?

Sich selber bilden (André und Bertrand Stern) scheint sich zu verlieren -, aber die Frage, wem man es erlaubt (und ob man sich es selbst erlaubt), einen zu bilden, ist aktueller denn je. Dabei hat der Staat ausgesorgt, weil er versagt hat. Einen halbwegs freien Bildungsmarkt gibt es nur für Erwachsene und so ist die Frage „Wo lernst Du denn?“ nicht nur eine Frage nicht vorhandener Bildungsmarken, sondern eine Frage der Altersdiskriminierung: von Staats wegen haben sich Heranwachsende eben an staatlichen Schulen zu orientieren! Nicht nur das: Sie haben sich dort auch aufzuhalten. So jedenfalls der gemeine Befehl, der Schulpflicht heißt und mittels Schulzwang durchgesetzt wird. Höchstrichterlich abgesegnet von den Richtern, die die Parteien zum Rechtsprechen bestimmt haben. Befehlswirtschaft par excellance. Und Staatsversagen aufgrund dessen. Leider. Es leiden die, denen man Gutes zu tun, bloß vorgibt. Die betrogene Generation, die Roland Baader schildert, ist die zwangsbeschulte Generation.

Was also leistet der Status Quo an Sozialisation?

Keine Frage: Schule verursacht Sozialisation. Doch sehr häufig eine negative, die nach “unten” zieht. Das kann auch gar nicht anders sein, da ein “oben” gar nicht mehr akzeptiert wird. Erziehung an vielen Schulen läuft doch auf pauschale Verurteilung von Eltern und Autoritäten hinaus. So geht das seit Jahrzehnten. Und so bleibt dann nur noch die gleichaltrige Peer-Group als der Sumpf, in dem man selber steckt – und vielleicht gar nicht stecken möchte! Der ist ja auch unnatürlich! Die Kinder werden ja aus dem Leben herausgenommen. Und das unter Gewaltandrohung. Was ist das für eine “Sozialisation” in der der Staat, der vorgibt, „wir alle zu sein“, Gewalt anwenden muß? Nicht Autorität, sondern Zwangsandrohungen und tätliche Gewalt! Es sollen doch bitte die, die behaupten, Schule könne einen positiven Beitrag zu Sozialisation beitragen, erst einmal den Beweis führen,

1) daß das, was sie als Sozialisation verstehen überhaupt gut ist, und
2) daß dieses Gute durch Zwangsbeschulung überhaupt erreicht werden kann, und
3) daß dies die einzige Möglichkeit sei, dies zu erreichen, weshalb die anderen Möglichkeiten ausgeschlossen bleiben müssen

Wenn mir jemand diesen Beweis bringt – und dies nicht nur einfach behauptet und daherplappert -, dann schauen wir einmal weiter. Auf dem Weg dahin, da bin ich mir sicher, ist er längst argumentativ untergegangen. Denn so ist es ja nicht.

Für freies Lernen spricht dann, daß es folgende Vorteile bietet

- natürlich in familiärer und sozialer Umgebung
- freiwillig und interessengeleitet
- im gewohnten und vertrauten Umfeld als Basis für kontinuierliche Horizonterweiterung
- im Angesicht natürlicher und lebensbewährter Autoritäten und Vorbilder
- umfassend, nicht nur auf Angebote schulischer Methoden und fremdbestimmte Lehrer beschränkt
- weltweites Lernen, nicht auf staatliches und nationales Gusto beschränkt
- gewaltlos und friedlich ohne staatlichen Zwang
- die Freiheit freier Wahl

Sehr schnell wird sich zeigen, daß viele unter “Sozialisation” kein organisches Einordnen im Rahmen eines beidseitig-gewinnbringenden Interessensaustausches (Praxeologie, Markt) verstehen, sondern ein Unterordnen unter gewalttätige Autoritäten (staatliches Gewaltmonopol, Schulzwang, Peer-Group-Führer, psychologisch-gruppendynamische Warenplazierungen), welches gemeinhin ja sogar als demokratisch legitimiert angesehen wird. Da zeigt dann die vermeintlich so tolle Sozialisation ihre wahre Fratze. Und nein: man muß sich nicht unterordnen, das gehört eben nicht dazu. Man kann und darf seine Vorbilder und Autoritäten selber finden.

Ich bejahe, daß es Unterschiede gibt und sinnvolle Nachfolge. Eine erzwungene Autorität ist aber keine, sie ist bloß Gewalt – und sei es die durch die demokratischen Mehrheiten gekaperte Staatsgewalt.

Zur Fundamentalismus-Debatte:

Hier stellt sich ganz allgemein die Frage, was tun, wenn Freiheit unheilvoll (für andere) gebraucht wird. An die Adresse von Politikern gewendet, bin ich allerdings schnell fertig, denn ich habe nicht die Fundamentalisten ins Land gelassen und das Versagen von staatlichem Schutz möchte ich nicht auch noch dadurch ausbaden, daß nun meine Freiheit weiter beschränkt wird: Wenn die ein Problem mit Fundamentalisten haben, dann sollen die das lösen und eben zur Not ein Gesetz erlassen, daß Fundamentalisten Homeschooling und Privatschulen verbietet, aber doch nicht gleich allen! Man verbietet ja auch nicht allen das Autofahren und beschränkt das infolge auf staatlich-bedienstete Chauffeure, sondern führt eine Punktekartei und zieht so wiederholt grob fahrlässige Verkehrssünder aus dem Verkehr – und hier geht es immerhin um Leben und Tod, während Bildung ja sowieso stattfindet.

Der Begriff Fundamentalismus ist als Problembeschreibung ohnehin ungeeignet. Solange sich Menschen ans Recht halten (sich im wesentlichen also auf ihr Eigentum beschränken und andere in Ruhe lassen und nur friedlich kooperieren) gibt es kein grundsätzliches Problem: hier gilt es schlichtweg tolerant zu sein und nicht gleich nach der Polizei zu rufen, wenn einem etwas nicht gefällt. In der Eltern-Kind-Beziehung stellt sich natürlich die Frage, ob die Kinder vielleicht Eigentum ihrer Eltern sind. Das verneine ich. Kinder sind ihren Eltern ganz natürlich zugehörig – und umgekehrt. Die Eltern sind auch Vormünder im Sinne einer kindgerecht zu leistenden Antizipation. Sie sind auch Beschützer der Kinder, auch und oft eben Beschützer der Freiheit ihrer Kinder. Eltern sind nicht mehr frei, sondern an das Wohl ihrer Kinder gebunden. Und Kinder sind genauso Menschen! Das Hauptproblem, welches wir im modernen Staatsverständnis haben, ist, daß wir eine Hierarchie vermuten, als wenn der “Staat” gottgleicher Vater und Mutter der Erwachsenen wäre. Die Erwachsenen sind aber weder unmündig und der “Staat” ist auch nicht klüger und mächtiger als die Erwachsenen, denn der “Staat” sind auch nur andere Leute, bloß Erwachsene, die nichts schaffen können, was nicht von seinen Untertanen kommt. Um es deutlich zu sagen: Ein “Staat” schafft niemals Mehrwert, tatsächlich schützt er nicht einmal die Untertanen, sondern besteuert und gängelt diese, greift diese also permanent und gesetzmäßig an. Und nicht zuletzt: Staaten verschleißen und töten ihre Bevölkerung in Kriegen, statt sie vor Kriegen zu schützen. Hier liegt ein fundamentales Problem, welches den Staat nicht einmal befähigt – obwohl das eine Idee sein mag – Kinder vor unheilvollen Eltern zu beschützen. Im Gegenteil richten die Leute vom Staat noch unnötiges Unheil in problematischen und unproblematischen Familien an. Statistisch gesehen beträgt das Staatsversagen ein vielfaches von Elternversagen. Eltern sind also nicht durch Staat zu substituieren; dies ist theoretisch und praktisch klar belegbar. Mithin kann der Staat auch nicht vor “Fundamentalismus” schützen, zumindest nicht, ohne woanders verheerend zu wirken – und dafür ist der Schulzwang probates Anschauungsmaterial.

Denn durch das zwangsbewehrte staatliche Monopol auf die Heranwachsendenbildung, welches zeitlich noch weiter ausgeweitet zu werden getrachtet wird, wird schon jetzt ungeheuer viel Gutes und Besseres verhindert, vergleichbar dem staatlich monopolisiertem Automobilbau in der DDR. Es werden tatsächlich in Freiheit keine schlechten Autos produziert, selbst die einfachsten übertreffen das DDR-Einheitsmodell des staatlichen Monopols. So wird es auch bei freier Bildung sein: Unfälle wird es nach wie vor geben (die der Staat auch nicht verhindert, sondern sogar produziert (!), da er auf unwahrer Basis arbeitet), aber das grundsätzliche, ja selbst das minimale Niveau wird steigen: die berühmte Schere, die auseinandergeht, geht nach oben auf – und zwar beide Klingen (!), wenn auch unterschiedlich stark. Es wird also weniger Probleme (auch weniger “fundamentalistische”) geben und mehr und bessere Bildung für jeden.

Wie man nun verbleibenden Fundamentalisten und den dadurch bedrohten Kindern gerecht wird? Das ist eine Frage, die immer noch im Raum steht – und die ich an die Protagonisten staatlicher Eingriffe zurückgebe: wie verbessert ihr denn die Lage solcher Kinder? In dem ihr ihnen die natürlichen Eltern wegnehmt? In dem er sie gewaltsam in eure Schulen zwingt, durch und in staatliche Indoktrination? Wer trägt die Kosten für Eure Maßnahmen? Wer die Konsequenzen, wenn alles dadurch noch schlimmer wird? Die Leute, die staatliche Maßnahmen anordnen, jedenfalls nicht – und schon deshalb sind sie dazu nicht berufen. Bestmögliche Antizipation setzt schon im normalen Leben Verantwortung und Freiheit voraus, bei Eltern kommt regelmäßig noch die Liebe dazu. Sie sind nun einmal die natürlich Berufenen: wenn sie versagen, hilft nichts, sondern es kann nur noch um Schadensbegrenzung gehen, vielleicht durch die näheren Verwandten, die Sippe, die aber allesamt auch in ihrer kulturellen Tradition stehen. Und so ist der Fundamentalismus-Vorwurf auch der Vorwurf von Überheblichen an eine andere Kultur und als solcher grundsätzlich zurückzuweisen. Kinder haben nicht das Recht in der “überlegenen” deutschen oder westlichen Kultur aufzuwachsen, sie haben auch nicht die Pflicht, sich zu assimilieren. Sowenig wie die Staatler das Recht haben, den Bürgern Nachbarn aufs Auge zu drücken, die diese nie frei wählen würden. Einmal mehr also ist die falsche Vorstellung staatlicher Rechtfertigung Grund eines Übels, daß – wie soll es anders sein – am Ende wieder seine Untertanen, die sich als Bürger wähnen, aber Bürgen sind, die Fehler der Regierenden ausbaden dürfen.

Wir sollten also den Regierenden nicht auch noch erlauben, auf ihre untaugliche Art das “Fundamentalismus-Problem” anzugehen. Ganz grundsätzlich müssen wir akzeptieren, daß die Welt nicht vollkommen und nicht heil ist. Und wir dürfen nicht glauben – und es gibt auch keinen empirischen Beleg dafür -, daß wir das mit Gewalt ändern können. Auch nicht mittels der Staatsgewalt. Es bedarf kluger und geeigneter Hilfe, um Verbesserungen zu erreichen und Schäden zu vermeiden. Die besten und wichtigsten Voraussetzungen dafür sind Verantwortungsübernahme und Freiheit. Und so darf mit Recht angenommen werde, daß Bildungsfreiheit befähigt und der richtige Weg ist, so daß auch hier weniger Probleme auftauchen und mehr gelöst werden. Der Markt ist schon immer ein hervorragender Problemlöser gewesen, Gewalt immer schon ein Problemauslöser.

Von Eltern wird heute verlangt, daß sie ohne Schläge erziehen. Die, die diese Forderung erheben und per Gesetz gewaltsam durchzusetzen trachten, mögen sich bitte an die eigene Nase fassen: auch ihnen stünde ein Gewaltverzicht besser an als der Schulzwang. Dies wäre besser für die Kinder, die Eltern, die Familien und die Gesellschaft, die ja durch diese erst gebildet wird. Dazu gehört auch die Wirklichkeit von Kultur, die als “Gestern im Heute” tragfähig ist, und mit zum Handeln überhaupt erst befähigt. Auch zum Spontanen. Familie aber ist mehr als Kultur, sie ist die natürliche Keimzelle des Einzelnen und damit auch des Neuen. Der Weg führt über die Vertrautheit zum Neuen als ein dauernder Fortschritt. Übertriebener Fundamentalismus ist Reaktion auf unnatürlich verfrühte Entfremdung und künstliche Verfremdung. Bei einem Leben aus und in den natürlichen Grundlagen -auch des Lernens -, bleiben solche Reaktionen aus. Die zu frühe und nicht kindgerechte fremdnützige Fremdbetreuung, staatliche Eingriffe und die weitere zeitliche Ausdehnung von zwangweiser Freiheitsberaubung durch Beschulung (die ja einseitig sein muß und unbestreitbar örtlich beschränkt ist) führen genau in die falsche Richtung und werden deshalb auch mit politischer Gewalt durchgesetzt.

Status Quo und Aussicht

Wirtschaft und Medien sind in einem staatlichen Monopolbetrieb gefangen, wie ihn die modernen Nationalstaaten darstellen. Sie sind da nur Handlanger und wähnen sich allenfalls als billige Nutznießer. Aber auch hier werden durch die falsche Fahrtrichtung unnötige Probleme geschaffen und viele Chancen vertan. Welchen Wert hat wirtschaftliche Freiheit ohne Bildungsfreiheit? Wer vom Staat jahrein jahraus gebildet und geprägt wird, hat es sehr viel schwerer, geistig frei zu bleiben (physisch ist er es durch den Schulanwesenheitszwang nicht!) und in den Kategorien freien und erfolgreichen nutz- und gewinnbringenden Wirtschaftens zu denken und zu handeln und fortzuschreiten. (Der homo oeconomicus der praxeologischen Schule der österreichischen Ökonomie ist nicht der homo calculator der staatlich-neoliberalen Leuteschinder und kapitalistischen Monetaristen!)

Die herrschende Klasse in Politik, Wirtschaft und Medien mag es bequemer und interessant finden, Untertanen zu prägen, die machen, was man ihnen sagt. Aber genau das ist der Beton, der nur scheinbar zementiert, der allmählich über- oder untersauert, weil Eigenständigkeit, persönliche Verantwortungsbereitschaft und eben die alles entscheidende Freiheit fehlt. Und zu mehr Bildungsfreiheit gehört Wahlfreiheit, Freiheit zu wählen zwischen schulischer und nichtschulischer Bildung, zwischen verschiedensten Bildungsanbietern weltweit, ganz selbstverständlich auch das im Ausland bewährte Home- und Unschooling. Das gewaltsam und zwangsbewehrte staatlich verweste (im doppelten Wortsinn, leider – aber so ist es halt ) und monopolisierte Bildungssystem Deutschland hat dieses grundsätzliche Problem: es verschleißt gute Lehrer, teure Verwaltungskräfte und viel zu viele Kinder. Es kostet Eltern, Kinder und auch die Gesellschaft viel Geld und Zeit und liefert nicht einmal mittelmäßige Ergebnisse. Und das liegt schlichtweg nicht an den Akteuren dieses Systems, sondern daran, daß dort, wo es nur ein System gibt, wo Monopole staatlich sanktioniert sind, immer und ausnahmslose Problem der Fehlallokation, mangelnder Effizienz und nachlassender Leistung bestehen. Selbst das nackte Verstehen leidet. Auch mit den schönsten Papiergesetzen und auch nicht via Staat kann man Naturgesetze und praxeologische Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzen. Solche Gesetze werden nur überwunden, in dem man sie berücksichtigt und nutzt. Die Schwerkraft konnte überwunden werden, als man lernte, die Gesetze der Aerodynamik zu nutzen. Und so können auch wir lernen, menschengerecht und nicht ideologisch-gewaltsam, Fortschritte zu erreichen und Erkenntnisse zu erlangen. Wo das nicht gelingt, ja nicht einmal versucht werden darf, dreht man sich immer weiter im Kreis, der zudem immer enger zu werden droht, bis am Ende nichts mehr geht.

Aus diesem fatalen Zustand können wir uns nur befreien, wenn wir aus den gleichförmigen Bewegungen ausbrechen, der eine in die eine, der andere in eine andere Richtung, selbst für sich verantwortlich und mitgehend seine darob befragten und mitentscheidenden Kinder. Ohne einen Wettbewerb an Ideen, ohne eine Wahl verschiedenster Möglichkeiten geht das nicht. Hierin liegt die Chance von Bildungsfreiheit, ohne die – früher oder später – alles verrotten muß. Zentralplanwirtschaft hat noch nie irgendwo auch nur halbwegs dauerhaft funktioniert und dies ist auch in Sachen Bildung nicht anders. Noch bekämpfen die Protagonisten des monopolisierten Bildungssystems die Ausbrecher in eine bessere Freiheit. Aber auch die Zukunft der unterdrückten Kinder dieser Protagonisten des Unrechts und Zwangs liegt in einer kommenden Bildungsfreiheit. Schon bald werden die Streiter für den Status Quo um so wilder werden, wie sie auf verlorenem Posten stehen. Und dann werden sie umkehren, weil sie ihre Kinder lieben.

Schon bald werden die noch verfolgten Opfer willkürlicher Zwangsbeschulung und staatlicher Zwangsmaßnahmen das bestehende System ausgestanden haben und den Weg frei gemacht haben für mehr Bildungsfreiheit, für mehr Chancen, bessere Qualität und eine menschlichere Zukunft. So erstaunlich das klingt, angesichts noch nie in diesem Umfang dagewesener Paternalisierung und Bevormundung, so ist doch die Freiheit so wesentlich für den Menschen und sein Zusammenleben, als daß sie nicht völlig verdrängt werden kann. Kein noch so raffiniertes Werk der Unterdrückung vermag ihr auf Dauer zu widerstehen. Ohne die Freiheit kann der Mensch nicht Mensch sein. Er wurde in Freiheit geschaffen und zur Freiheit berufen, die Freiheit ist so wesentlich für die Existenz des Menschen, daß selbst die menschliche Wirklichkeit von Verfehlung und Sünde in Kauf genommen wurde. Freiheit ist die große Bestimmung des Menschen, ohne die er nicht sein kann. Die Freiheit, sich zu bilden, ist daher grundlegend. Konstruktivistische Zivilisationen haben ebensowenig Bestand wie konstruktivistische Bildungspläne. Bildungsfreiheit ist daher wesentlich für die Konstitution von Zivilisation. Es ist kein Zufall, sondern hängt genau damit zusammen, daß die fehlende Bildungsfreiheit unsere Zivilisation zurückgeworfen hat und noch zurückwirft. Das kriegerische und mörderische staatssozialistische 20. Jahrhundert war das Jahrhundert der Generalbeschulung der Jugend. So geht das nicht weiter. Das 21. Jahrhundert wird sich öffnen und die Menschen werden Bildungsfreiheit schaffen, zulassen, genießen und davon vielfältig profitieren.

Lernen privat: Alternativen zum staatlichen Bildungsmonopol

Die Nachfrage nach Bildung abseits staatlicher Indoktrination wächst auch in Deutschland. Die grundgesetzlich verankerte Aufsicht über das Schulwesen hat sich in der Praxis inzwischen zu einem Schulzwang ausgeweitet, der zunehmend – noch unbemerkt von der Öffentlichkeit – mit einer amtlichen Brutalität durchgesetzt wird, die es selbst zu Zeiten brauner Uniformträger nicht gegeben hat (liberty.li wird berichten). Es sei deshalb darauf hingewiesen, daß die folgenden vorgestellten freien Bildungsalternativen immer wieder von staatlichen Stellen verfolgt werden. Ungeachtet dessen wächst die Nachfrage nach diesen Angeboten.

Und es wird kommen, wie es immer kommt: Nicht staatlicher Sozialismus wird siegen (er kann nur herrschen), sondern die Bedürfnisse des Marktes werden sich freimachen und durchsetzen – und niemand wird sie aufhalten: Es gibt eine Wirklichkeit jenseits politischer Dogmata. Und es gibt eine Nachfrage nach besseren, nach persönlicheren, nach stimmigen Bildungsangeboten. Aufgrund des staatlichen Bildungsmonopols ist das Angebot in Deutschland mangelhaft, aber immerhin: In der Tradition des berühmten gallischen Dorfes üben sich:

Die in den USA beheimatete Clonlara-Schule bietet Lernhilfe für von zuhause aus lernende Heimschüler im Alter von Grundschulkindern bis zu Abiturienten. Seit Sommer 2004 gibt es die Clonlara-Lernhilfe auch auf deutsch.
Die Philadelphia-Schule, ein christliches Heimschulwerk bietet seit 1980 ein umfangreiches Angebot von Unterrichtsmaterialien bis hin zu intensiven Lernseminaren und ist staatlich nicht anerkannt, wurde aber zumindest bis 1997 geduldet. Trotzdem existiert die Schule bis heute und die Zahl an Eltern, die einer staatlichen Anerkennung Mißtrauen entgegenbringen, wächst.
Die Sudbury-Schulen, die es weltweit bereits seit 1968 gibt, soll es nach dem Willen engagierter Eltern zukünftig auch in Deutschland geben. Sudbury-Schulen verkörpern am ehesten die Idee des Unschooling, welches auf die natürliche Wißbegierde und die natürliche Lernbegierde und Lernfähigkeit von Heranwachsenden mit Erfolg baut.
Auf die persönliche Freiheit der Kinder baut auch die Summerhill-Schule, eine private Internatsschule in Leiston in Suffolk/England, die sich als „erste Kinderdemokratie der Welt” versteht. Gottlob handelt es sich aber nicht um ein herrschaftliches Demokratieverständnis. Auch diese alternative Schule hat Anhänger in Deutschland, die aber noch kein Projekt realisieren konnten.
Aber auch wer es gerne besser als staatlich-üblich hätte, aber bei den uniformierenden reaktionären Bildungssozialisten konservativ-moderner Couleur in den Schulämtern nicht gefährlich anecken möchte, kann auf einige wenige Angebote zurückgreifen: Privatschulen bieten zumindest schwerpunktmäßig individuell gelagerte Bildungsportfolios je nach Gusto. Wer auf eine zeitlich umfassende Fremdbetreuung seiner Kinder angewiesen ist, findet auch im deutschsprachigen Raum Internatsangebote.

Eltern von Welt finden auf den auch in Deutschland befindlichen internationalen Schulen ein Angebot, in das der Staat kaum reinredet und deren Besuch „legal“ ist. Hier ist mehrsprachiger Unterricht, der auf jeden Fall Englisch umfaßt, üblich. Es gibt wohl inzwischen kaum eine bessere Möglichkeit, den eigenen Kindern Wege zur Freiheit zu eröffnen, als Schulen, die über die – von mir geliebte – deutsche Sprache hinausführen. Denn in deutschen Landen wird’s eng: nicht bevölkerungsmäßig, aber intellektuell und wirtschaftlich. Und zum Auswandern wird Andersdenkenden ja inzwischen sogar von Amtsträgern schriftlich geraten. Machen Sie, liebe Eltern, ihre Kinder fit dazu.

Erstevröffentlichung: 28.10.2006 auf lernen.liberty.li

Weitere interessante Links:
- Frei Universität in der Schweiz
- Artikel dazu in der Prager Zeitung
- Internationale Schulsuche
- Onlinestudium (auch deutschsprachig) der Universität Liverpool
- One on one learning
- Big Picture College
Für die letzten beiden Links Dank an Felix Klee.